Optischer Ausgleich

Die Aufteilung der Noten in der Horizontalen sollte die Dauer der jeweiligen Note widerspiegeln. Wie wir jedoch im Beispiel der Bach-Suite oben sehen konnten, orientieren sich viele moderne Partituren an den Dauern mit mathematischer Präzision, was zu schlechten Ergebnissen führt. Im nächsten Beispiel ist ein Motiv zweimal dargestellt: das erste Mal mit exakter mathematischer Aufteilung, das zweite Mal mit Korrekturen. Welches Beispiel spricht Sie mehr an?

[image of music]

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In jedem Takt in diesem Ausschnitt kommen Noten vor, die in einem gleichmäßigen Rhythmus gespielt werden. Die Abstände sollten das widerspiegeln. Leider lässt uns aber das Auge im Stich: es beachtet nicht nur den Abstand von aufeinander folgenden Notenköpfen, sondern auch den ihrer Hälse. Also müssen Noten, deren Hälse in direkter Folge zuerst nach oben und dann nach unten ausgerichtet sind, weiter auseinander gezogen werden, während die unten/oben-Folge engere Abstände fordert, und das alles auch noch in Abhängigkeit von der vertikalen Position der Noten. Das untere Beispiel ist mit dieser Korrektur gesetzt. Im oberen Beispiel hingegen bilden sich für das Auge bei unten/oben-Folgen Notenklumpen. Ein Notenstechermeister hätte die Notenaufteilung angepasst, sodass die angenehm zu lesen ist.

Die Algorithmen zur Platzaufteilung von LilyPond berechnen sogar die Taktstriche mit ein, weshalb die letzte Noten mit Hals nach oben im richtig platzierten Beispiel etwas mehr Platz vor dem Taktstrich erhält, damit sie nicht gedrängt wirkt. Ein Hals nach unten würde diesen Ausgleich nicht benötigen.


Aufsatz über den automatischen Musiksatz v2.25.17 (Entwicklungszweig).