Warum ist der Computernotensatz nicht gut?
Wir bezeichnen LilyPond gerne als ein ‚automatisiertes Satzprogramm‘. Es setzt Noten automatisch auf eine schöne Art und Weise, ohne dass der Benutzer Expertenkenntnisse vorzuweisen bräuchte.LilyPond ist nicht einzigartig mit seiner Fähigkeit, Notation zu setzen; ganz im Gegenteil gibt es eine Vielzahl von Notationsprogrammen, und heutzutage wird fast alle neu gedruckte Musik am Computer gesetzt. Das zeigt aber leider auch einen Nachteil: Neue Noten sehen nicht so gut aus wie die alten (etwa vor 1970). Die neuen sehen langweilig und mechanisch aus. Es macht kein Vergnügen, von ihnen zu spielen. Das kann Ihnen jeder Musiker, der klassische Musik spielt, bestätigen.
Um das zu illustrieren, wollen wir einen Blick auf die beiden Beispiele werfen. Beide sind Editionen von J. S. Bachs erster Suite für Violoncello. Die linke Version ist ein wunderschöner Handstich von 1950, die rechte Version ein typischer moderner Computersatz. Nehmen Sie sich einige Sekunden Zeit, die Frage zu beantworten: Welche von beiden Versionen finden Sie schöner, und warum?
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| Bärenreiter (BA 350, © 1950) | Henle (Nr. 666 © 2000) |
Das linke Beispiel sieht elegant aus mit seinen fließenden Linien und seinem dynamischen Bild. Das ist Musik, und sie lebt. Das rechte Beispiel dagegen zeigt die gleiche Musik, wie sie von Bach geschrieben wurde. Seine Musik ist voller Lebendigkeit und fließenden Linien – allein die Partitur zeigt das nicht, sie ist starr und mechanisch. Um noch besser zu verstehen, wie das kommt, wollen wir uns ein vergrößertes Bild der beiden Editionen anschauen:
handgesetzt
mit dem Computer gesetzt
Die Position der Taktlinie ist ein Werbegeschenk. In der neuen Edition befinden sich beide Taktlinien exakt an der gleichen horizontalen Position. Auch die Notenköpfe sind an exakt der gleichen horizontalen Position. Im Vergleich mit dem gesamten Notentext kann man sich schnell davon überzeugen, dass fast alle Taktlinien an der gleichen Position auf der Seite sind, genauso wie die meisten Notenköpfe. Die gesamte Seite ist aufgeteilt als ob alle Objekte durch ein großes Sieb positioniert worden wären, und dadurch kommt der mechanische Eindruck zustande.
Das ist nicht der einzige Fehler in diesem Beispiel, dies ist nicht das einzige Notenblatt mit typographischen Fehlern. Leider ist tatsächlich fast alle heutzutage gedruckte Musik voll von grundlegenden typographischen Fehlern.
Musiker sind üblicherweise zu zu konzentriert, die Musik aufzuführen, als dass sie das Aussehen der Noten studieren könnten; und diese Erbsenzählerei der typographischen Details mag akademisch wirken. Das ist aber nicht gerechtfertigt. Unser Beispielstück hat einen monotonen Rhythmus, und wenn alle Zeilen gleich aussehen, wird das Notenblatt zu einem Labyrinth. Wenn der Spieler auch nur einmal wegschaut oder kurze Zeit unkonzentriert ist, findet er nicht mehr zurück zu der Stelle, an der er war.
Hier haben wir eine übliche Definition des Wortes Typographie gegeben. Layout sollte ansprechend aussehen, und zwar nicht nur um seiner selbst willen, sondern vor allem, um dem Leser zu helfen. Für Aufführungsmaterial wie etwa Notenblätter ist das umso wichtiger: Ein Spieler kann den Noten nur eine begrenzte Aufmerksamkeit schenken. Und je weniger Aufmerksamkeit nötig ist, um die Noten zu erfassen, um so mehr Zeit können sie in die Aufführung selber stecken. So wirkt sich gute Typographie direkt in eine verbesserte Aufführung aus!
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Warum ist Finale nicht die Sackgasse des Computernotensatzes?